Wilhelm von Kaulbach aus Arolsen und seine Zeichnungen zu Johann Wolfgang von Goethe`s “Reineke Fuchs”

Pfingsten das Liebliche Fest, war gekommen; es grünten und blühten Feld und Wald;......

So beginnt Johann Wolfgang von Goethes, im Jahre 1794 erschienene, Ausgabe “REINEKE FUCHS”, welche im Auftrag von Johann Georg Freiherr Cotta von Cottendorf von Wilhelm von Kaulbach illustriert und 1846/47 erstmals in einer Prachtausgabe in München gedruckt mit Stahlstichen erschien. Der Verfasser dieser Einleitung, Sammler und Besitzer des einzigen privaten Museum zum Fuchs in der Kunst u. Literatur, des “REINEKE FUCHS MUSEUMS” In Linden in Hessen, das auch seit 1995 im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet ist, besitzt auch eine Spezialsammlung von Künstlern der letzten 150 Jahre, die Exponate, zu Kaulbachs Zeichnungen anfertigten. In Zinn gegossen, in Meerschaum, Elfenbein und Rosenholz geschnitzt, in Porzellan geformt sowie als Schachfiguren in Elfenbein, als Intarsienarbeit in Holz, auf Sammelbildern und Kacheln kunstvoll angefertigt, werden diese interessierten Besuchern neben über 200 verschiedenen Buchausgaben seit 1752 und viele andere weit über 2000 Exponate gerne gezeigt.

Wer war Bernhard Wilhelm Eliodorus Kaulbach:
Johann Georg Freiherr Cotta von Cottendorf [* 19.7.1796 u. verstorben am 1.2.1865] der ja häufig in München weilte, hatte längst begonnen, seine mit Stahlstichen ausgestatteten Klassiker-Einzelbände herauszugeben [bei denen auch Kaulbach mitarbeitete], als er auf den Gedanken verfiel, den so rasch berühmt gewordenen Monumental-Maler mit der Neuausgabe des zu betrauen. 1840 wurde der Entschluss gefasst, ein Jahr später der Vertrag geschlossen.

Drei Jahre arbeitete Kaulbach gegen ein für diese Zeit außerordentlich hohes Honorar [6000 Gulden] an den 36 Hauptbildern und den zahlreichen Vignetten.Tagsüber war er in seinem Atelier mit dem riesenhaften Gemälde der Zerstörung Jerusalems beschäftigt, das die Fürstin Angelina Radziwill mehr als fünf Jahre zuvor bestellt hatte; abends zeichnete er zu Hause im trüben Schein der Petroleumlampe an den Blättern zu “Reineke Fuchs”,während seine Frau ihm die Goetheschen Hexameter vorlas.

Das Buch wurde zu Kaulbachs größtem und nachhaltigstem Erfolg. Aber Kaulbach schaute nicht rechts und nicht links. Er zeichnete sich den ganzen Groll gegen Hofintrige und Frömmelei von der Seele, geißelte Politiker und politisierenden Klerus und machte sich in den Randfiguren obendrein über die Ängstlichkeit der Leute des Cotta-Verlages lustig, trieb Spaß mit dem Cotta`schen Greifen und ließ den Redakteur der Cotta`schen Kunstzeitschrift vom Wagen fallen.


Nach Wilhelm von Kaulbach
Bild 22 - siebter Gesang
Reineke fasst dem Kaninchen
mit den Klauen zwischen die Ohren.

Nach Wilhelm von Kaulbach
Fünf Flaschenkorken in Elfenbein mit Ständer
handgeschnitzt.
 

1846 waren die Kupferstecher Hans Rudolf Rahn (*1.1.1805 Zürich, gest. 21.8.1868 Will, St. Gallen) und Adrian Schleich [* 7.12.1812 München, gest. 28.9.1894 München] fertig, und das Buch wurde ausgedruckt - merkwürdigerweise in zwei verschiedenen, in zahlreichen Kleinigkeiten von einander abweichenden, aber in der Illustration vollständigen Ausgaben: die anscheinend besser redigierte in München beim Verlag der Literarisch- artistischen Anstalt, die andere in Stuttgart und Tübingen bei Cotta. Auf diesen Sachverhalt wies 1942 W. Kurrelmeyer in einer amerikanischen Fachzeitschrift hin.

Aufschlussreich in mehrerer Hinsicht ist der Brief, den Wilhelm Kaulbach am 7.Juli 1846 aus der Kur in Bad Ems seiner Frau nach München schrieb: “Der Kupferstecher Schleich hat mir einen Probedruck vom Titelblatt des Reineke Fuchs geschickt und nun schreibe Du ihm folgendes: Was das Verständnis der Formen im allgemeinen betrifft, so sei ich zufrieden, obgleich ich gestehen muss, dass ich mir einen saftigeren, markigeren Strich gedacht habe. Dieser Probedruck scheint mir viel zu mager und trocken in der Behandlung. Ich wünsche dass Herr Schleich das noch verbessert. Dann ist der Kopf des Eulenspiegel nicht gut ausgefallen, der muss wohl von neuem gemacht werden...Dann noch eins: Mein ausgeschriebener Name braucht nicht auf dem Titelblatt zu stehen - nichts weiter wie W.K. Wenn das alles verbessert ist, wird es recht sein”.

Man liest oft, dass Kaulbachs Reineke-Illustrationen von Grandville entlehnt seien und redet damit Alfred Woltmann nach, der wohl als erster diese Behauptung aufgestellt hat. Tatsache ist, dass Grandville “Scénes de la vie priceè et publique des animaux” 1842 zu erscheinen begann, als Kaulbach einen größeren Teil seiner Hauptblätter bereits fertig gestellt hatte. Vermutlich hat Kaulbach Grandvilles Zeichnungen gekannt. Aber Grandville zeichnete Menschengestalten mit Tierköpfen - so etwas gibt es bei Kaulbach nicht.

Kaulbachs Vater war Goldschmied und Stempelschneider. Aber er fühlte sich zum Künstler berufen und versuchte sich rastlos am Bau physikalischer Instrumente, an kunstgewerblichen Arbeiten, gab auch Zeichenunterricht und entwarf Muster für Kattundruck. In Arolsen im Waldeckschen hatte er sich niedergelassen und die Tochter eines reichen Landwirts geheiratet, die ihm sieben Kinder gebar, von denen vier am Leben blieben: Karl der Bildhauer und Zeichenlehrer wurde, die Schwestern Karoline und Josephine sowie Wilhelm, der am 15. Oktober 1804 geboren und auf den Namen Bernhard Wilhelm Eliodorus getauft wurde.

Die Familie lebte im väterlichem Hause in einer Hinterstube, geduldet und missachtet. Als Wilhelm drei Jahre alt war, verließ man das Haus in Arolsen und ein glückloses Wanderleben begann. 1815 war die Familie längere Zeit in Barmen, seit 1816 in Mühlheim an der Ruhr, wo der Vater gegen dürftiges Honorar Model für den Kartendruck schnitt.

Wilhelm wollte ein glücklicher Mensch werden und er wurde es, weil er eine Frau fand, die ihn liebte und verstand. Freilich er musste lange um seine Braut kämpfen, denn die Familie seiner geliebten Josephine war wenig von der Aussicht erbaut, einen mittellosen Maler zum Schwiegersohn zu haben. Mit 28 Jahren heiratete Kaulbach. Seit 1849 war er Direktor der 
Münchner Akademie.

Straße und richtete sich und seiner Familie dort ein Zuhause ein, in dem alles was Rang und Namen in Kunst und Wissenschaft hatte, verkehrte und sich daheim fühlte. Ihm zu Ehren wurde später die Gartenstraße in Kaulbachstraße umbenannt. Die Kaulbachvilla Nr.10 wurde beim Fliegerangriff am 13. Juli 1944 zerstört, ebenso wie das Atelier, dass spätere Kaulbachmuseum [Nr. 12].

Wilhelm von Kaulbach war das letzte Opfer der bereits erlöschenden Choleraepidemie von 1874. Den größten Teil der Familie hatte er voraus nach Bozen geschickt. Dort sollte, weil er mit einem Orden ausgezeichnet worden war, ein großes Fest gefeiert werden. Die telegrafisch Zurückgerufenen kamen zu spät. Wilhelm von Kaulbach war am 7.April 1874 abends
gegen acht Uhr gestorben. Er wurde auf dem südlichen Friedhof in München beigesetzt.

Wie er sich selbst Reineke eingeschätzt hat, mag zu enträtseln versuchen, wer aufmerksam das letzte Bild im letzten Gesang betrachtet. Während nebenan die jungen Füchse schlafen und das Allerjüngste in der Wiege spielt, sitzt Reineke auf dem Bett und erzählt seiner Frau, wie er den Wolf besiegt und geschändet hat. “Reinekes Frau vergnügte sich sehr,” lautet der Goethesche Text. “So wuchs auch den beiden Knaben der Muth bei Ihres Vaters Erhöhung”. Der Hausheilige an der Wand ist niemand anderer als der Maler Kaulbach selber. Um den Hals trägt er die Zuchtrute für Reinekes viel versprechenden Nachwuchs.

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