Begegnungen


Ein Sammler trifft seinen Meister

Besuch des Reineke Fuchs Museums in Linden-Leihgestern [Hessen]

Von Kord Wopersnow

Seit einigen Jahren bekam ich immer mal wieder einen Anruf von Herrn „von Fuchs“ der mich fragte ob ich nicht mal vorbei kommen möchte um mir seine Sammlung an zu sehen und mich mit ihm auszutauschen. Immer war meine Antwort „GERNE“ aber am Jahresende mußte ich dann feststellen dass ich es wieder einmal nicht „geschafft“ habe.

Im späten November 2009 kam ein erneuter Anruf von Herrn von Fuchs und diesmal musste es anders werden!

Ich bat um ca. 14 Tage Planungszeit und regelte alles was man so regeln muss um von Hamburg nach Gießen [bzw. Linden-Leihgestern in Hessen] zu Kommen. NICHTS sollte diesmal dazwischen kommen und ich wollte UNBEDINGT meinen Nachbarn im Netz und meinen Sammlerkollegen kennenlernen!

Ich begab mich am 10.12.2009 also auf den Weg zum Reineke –Fuchs Museum ENDLICH!

Die Dresdener Straße in Linden-Leihgestern [bei Gießen] liegt in einer ruhigen Gegend und bietet bequeme Parkmöglichkeiten vor und bei der „Villa von Fuchs“.

Schon die Gartenpforte empfing mich fuchsig:-, ein Fuchsmotiv war oberhalb der Pforte eingesetzt und zeigte mir „hier bist Du richtig“

Eine ganz spezielle Besonderheit findet sich auf dem Dach der Villa von Fuchs. Eine fuchsige Wetterfahne, von der es keine zweite gibt, gibt Auskunft über Windrichtung.

Der freundliche Herr von Fuchs öffnete mir die Tür und bat mich einzutreten. Nach ein paar Schritten in das Haus fühlte ich mich wie im „Schloß Malepartus“. An den Wänden hingen Gemälde und Poster von und mit Füchsen und die „Kinderecke“ beherbergte viele Stofffüchse. Aber der erste Eindruck war bescheidener als das, was mir Herr von Fuchs nach dem Öffnen einer weiteren Tür zeigen konnte. 15 Vitrinen, gefüllt mit überragenden Sammelobjekten rund um den Fuchs, erleuchteten meine Augen und mein Herz.

Kein Zweifel, Herr von Fuchs bietet jedem Fuchssammler bzw. Fuchs-Begeisterten eine überragend schöne Sammlung rund um den [Reineke-] Fuchs!

In der Mitte des Raumes fing Herr von Fuchs an mir seine Porzellan-Sammlung rund um den Fuchs zu zeigen. Zu jedem Ausstellungsstück konnte er mir Informationen zu Alter und Hersteller nennen. Und natürlich wusste er auch noch wie er an die Stücke gekommen ist. Kleine Informationstafeln gaben ebendiese Informationen zusätzlich an. Auch durfte ich so manches Stück in die leicht zitternde, Hand nehmen. An den Seiten des Raumes standen weitere Vitrinen mit fuchsigen Ausstellungsstücken. Parfümflakons aus alten Zeiten, Papiertheater, Tabakpfeifen nebst Tabak, Schwerter, Uhren, Federhalter und so vieles mehr. Und jedes Ausstellungsstück war entweder ganz Fuchs oder fuchsverziert.

Zwischendurch bot die Baronin des Hauses, Frau von Fuchs, eine kleine Stärkung an. An der Tafel konnte ich dann auch viele Fragen zu Sammlung stellen. So erfuhr ich, das Herr von Fuchs seine Begeisterung zum Fuchs in der Mitte der 1960er Jahre entdeckte und sehr viel Arbeit und finanzielle Mittel in den Aufbau und Erhalt seiner Sammlung investierte-natürlich mit Hilfe seine „Fähe“ Frau von Fuchs. Auch erzählte er mir Geschichten zu den vielen Ausstellungen die er im Laufe der Zeit veröffentlichte. Und ich erfuhr auch viel darüber, wo er seine Sammlung erweiterte und welche Verhandlungsstrategien er dabei nutzte um das ein oder andere Sammelobjekt zu ergattern.

Danach ging es noch einmal in die Ausstellungsräume. In einem weiteren Raum zeigte mir Herr von Fuchs seine Sammlung die sich um gedruckte Werke dreht. Spielkarten, Lernspiele für Kinder – alles irgendwie fuchsig, alles irgendwie „Reineke“.

Aber HALT! Wer Reineke sagt, sollte auch „von Fuchs“ sagen, denn auch Herr von Fuchs kann auf viele Publikationen und Medienberichte rund um ihn und seine Sammlung hinweisen. Berichte in Magazinen und TV kann er bieten – sofern es die Zeit zulässt. Auf seinen Computern hat er, ich glaube, ALLES gesammelt was es im Netz zum Fuchs bzw. um Reineke gibt. So mancher Leser dieses Berichtes wird wissen wie viel Zeitaufwand das Scannen von Dokumenten benötigt. Herr von Fuchs hat eine ganze Menge Dokumente eingescannt, aber auch fotografiert und auf DVD`s gebannt. Reineke wird auf diese Weise ganz sicher den Weg in die Moderne finden -– RESPEKT Herr von Fuchs!

Ich fand es bemerkenswert, dass Herr von Fuchs durch seine Sammelleidenschaft, sich auch mit „Nebeninformationen“ beschäftigt hat. Ein dicker Ordner mit Stempeln der Keramik-Meister, bietet Herrn von Fuchs die Grundlage seine z.B. Keramik-Sammlung zu datieren und zuzuordnen. Hier zeigt sich, das eine spezielle Sammelleidenschaft auch eine Erforderlichkeit mit sich bringt, sich mit anderen Spezialgebieten zu beschäftigen.

Am späten Abend mochte ich meinen „Meister“:-, und seine Baronin nicht weiter belästigen.

Ich wurde herzlich verabschiedet und es war mir natürlich eine angenehme Plicht die Sammlung, derer von Fuchs, mit einer bescheidenen Spende dankend zu versorgen.

Wer, wie ich, alles zum Fuchs sammelt sollte absolut und unbedingt mal nach Linden-Leihgestern pilgern um in der „Villa von Fuchs“ alles um Reineke Fuchs zu erfahren!

Ich sage danke für die vielen Informationen und die angenehme Gastfreundschaft die mir „Baronin“ und „Baron“ von Fuchs geboten haben. Und ich vermute dass Herr von Goethe stolz wäre auf die Leistungen die in der „Villa“ von Fuchs aufgebracht werden um ein Stück deutsche Kultur in die [auch digitale] Zukunft zu retten.

PS: Die Bezeichnung Baron und Baronin, bezieht sich nicht auf den Familiennamen von Fuchs, sondern ist auf den geadelten Reineke Fuchs als edlen Baron aus den 12 Gesang von J. W. Goethe bezogen.




Lieber Herr von Fuchs,

da ich auf Ihrer Homepage das Gästebuch nicht gefunden habe, sende ich Ihnen hier meinen entsprechenden Eintrag:

Nach einer ersten schriftlichen Kontaktaufnahme über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen der Reineke-Fuchs-Sammlung und dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg Bildarchiv durfte ich im März 2015 die Sammlung unter der sachkundigen Führung durch Herrn von Fuchs ausführlich in Augenschein nehmen.

Wie schon andere Besucher und Vertreter wichtiger Museen und Archive feststellen konnten, ist die mit größtem persönlichen – auch hohem finanziellen - Einsatz und fachlicher Kompetenz über Jahrzehnte zusammengestellte Kollektion in jeder Hinsicht beeindruckend. Sie ist ein Dokument thematischer Leidenschaft und zeugt in ihrer Vielfalt und Qualität von ausgeprägter literarischer und kulturhistorischer Kennerschaft.

Dieser Juwel einer Privatsammlung sollte auf jeden Fall in seiner Substanz erhalten bleiben, d.h., das Land Hessen sollte keine Anstrengung scheuen, dies zu gewährleisten.

Herr von Fuchs möchte ich ausdrücklich für die lebendige, kenntnisreiche und hochinteressante Präsentation seiner Sammlung danken! Diese findet sich auch in den analogen und digitalen Publikationen – samt Homepage - zur Sammlung wieder. Jeder/jedem Interessierten sei ein Besuch der einzigartigen literatur- und kulturhistorischen Reineke-Fuchs-Sammlung in Gießen-Linden mit großer Überzeugung ans Herz gelegt.

Thomas Jahn M.A.
Leiter der Dokumentation und Akquise
Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte - Bildarchiv Foto Marburg
Philipps-Universität Marburg

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